|
|
Die preußische S 9 Bauart Wittfeld |
Um den Beginn
des 20. Jahrhunderts beschäftigte man sich auch in Preußen mit
der Konstruktion mehrzylindriger Lokomotiven für den Schnellzugdienst.
Erwähnenswert in diesem Zusammenhang sind die Gattungen S 5 (2'B n4v),
die S 7 (2'B1' n4v) welche jeweils in der Bauart Hannover (Hanomag) mit auf
Vorlaufgestellmitte liegenden, äußeren Niederdruckzylindern und
als Bauart De Glehn (Maschinbaufabrik Grafenstaden) mit zurückversetzten
außenliegenden Hochdruckzylindern beschafft wurden.
Aus der S 7 Bauart Hannover ging die S 9 (2'B1' n4v) hervor. Von den
S 5 wurden keine sehr großen Stückzahlen gebaut. Anders hingegen
bei den S 7 welche allerdings recht bald von den deutlich stärker ausgebildeten
S 9 im schweren Schnellzugdienst ersetzt wurden.
![]() |
Wir befinden uns in der Blütezeit der deutschen Länderbahnen welche von immer schwerer werdenden Zügen und höheren Geschwindigkeiten geprägt ist. So verwundert es nicht, daß man alle erdenklichen Wege verfolgte um den sich ändernden Umständen gerechte Triebfahrzeuge zu entwicklen. Die KPEV beauftragte schließlich auch die Lokomotivbauanstalt Henschel & Söhne in Kassel mit dem versuchsweisen Bau von Mehrzylinderlokomotiven. So enstanden im Jahre 1904 nach den Plänen des Baurates Wittfeld aus dem preußischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten und des Oberingenieurs Kuhn von Henschel & Söhne drei, in ihrem Äußeren neuartige Lokomotiven. Die 2'C2' h4v Schnellzug-Tenderlokomotive für Gebirgsbahnen, T 16 Erfurt 1380 und die beiden 2'B2' n3v Schnellzuglokomotiven, S 9 Altona 561-562 verfügten jeweils über vorne liegende Führerstände. Die T 16 Erfurt 1380 zeigte sehr erstaunliche Leistungen, war jedoch erheblich zu schwer geraten und konnte nirgendwo eingesetzt werden. Daher wurde sie alsbald wieder zerlegt. |
Anders die S 9. Die Altona 561 wurde sofort in 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis der Öffentlichkeit präsentiert und war einer der Besuchermagneten. Kein Wunder, konnte sich das Herstellerwerk Henschel doch mit ihr rühmen, die erste stromlinienartig verkleidete Lokomotive der Welt gebaut zu haben. Diese Lokomotive mit ihrer den Kessel und Tender vollständig verkleidenden Verschalung wurde später, wenig charmant, "Möbelwagen" genannt. So unüblich ihre Form für die damalige Zeit erschien, erbrachte sie doch den Beweis, daß vorne angebrachte Führerstände durchaus praktikabel und realisierbar waren. Alle Einrichtungen zur Bedienung der Maschine durch den Lokführer waren doppelt vorhanden und miteinander gekoppelt, einmal auf dem vorderen Führerstand und auf dem ansonsten konventionellen mittleren Führerstand auf welchem auch der Heizer seinen Dienst versah. Die Streckenbeobachtung war wie zu erwarten weitaus besser als bei konventionellen Lokomotiven. Die erforderliche Verständigung zwischen Lokführer und Heizer mittels Fernsprecher war allerdings einigermaßen unbefriedigend, sodaß die Loks in der Praxis mit 2 Lokomotivführern und einem Heizer besetzt wurden. Der Verbindungsgang zwichen den Führerständen war durch Fenster erhellt, jedoch sehr warm. Bei der Altona 562 wurde auf die Vollverkleidung verzichtet.
(sulka.de)
![]() |
Literaturquellen: Kurt Pierson, Die
peußische S 9, LM 25, Franckh 1967 zur vorhergehenden ausgabe - zum register - zur folgenden ausgabe |